AMS

Man muss Probleme dort lösen, wo sie tatsächlich auftauchen, und den einzelnen Menschen in seiner Situation in den Mittelpunkt stellen“

Die amtlichen Stellen, und vor allem die, die an der Basis tätig sind, haben sich zu großen Teilen einen recht pragmatischen aber gleichzeitig menschlichen Standpunkt zugelegt. „Man muss den einzelnen Menschen in seiner Situation in den Mittelpunkt stellen – und Probleme dort anpacken, wo sie auftauchen“, betont Peter G. vom Berufsinformationszentrum des AMS.  Man weiß, dass es eine Menge Projekte gibt, dass viel getan wird – „aber tatsächliche Hilfe kann nur dort erfolgen, wo junge Menschen dem Arbeitsmarkt zu Verfügung stehen, oder kurz davor sind.“ Ins selbe Horn stößt auch der Linzer Vizebürgermeister und Stadtrat für Soziales und Integration, Klaus Luger: „In dem Mitte März für Linz beschlossenen Maßnahmenpaket aus 21 Projekten wurden vor allem sofort umsetzbare Projekte beschlossen. Und das Bildungssystem ist immer noch das zentrale System bei der Zuteilung von Lebenschancen. Öffentliche Sensibilisierung hingegen ist keine rein kommunale Angelegenheit, sondern obliegt der Politik auf Bundes- und Landesebene.“ Auch die stellvertretende Geschäftsführerin des Zentrums für MigrantInnen sieht öffentliche Sensibilisierung und Anti-Diskriminierungsarbeit zwar als wichtig, aber eben auch in hohem Maße eine Frage von Ressourcen und vor allem von monetären Mitteln. „Anti-Diskriminierungsarbeit muss auf beiden Seiten erfolgen, und das ist von dem nötigen Aufwand her ein enormer Kraftakt“. Der Notwendigkeit, auf beiden Seiten anzusetzen, stimmt auch Klaus Luger zu: „Integration kann nur gelingen, wenn auch die Aufnahmegesellschaft Offenheit zeigt, und Chancengleichheit anstrebt.“ Wobei er betont, dass es ihm dabei tatsächlich um Integration gehe, und keinesfalls um Assimilation.

Dass der Beherrschung der Sprache eine überragende Bedeutung zukommt, darüber ist man sich auf allen Seiten einig. Peter G. vom AMS bringt es knapp auf den Punkt: „Ohne Beherrschung der Sprache gibt es für einen Job praktisch keine Möglichkeit.“  Auch der Linzer Vizebürgermeister will die Intensität sprachorientierter Förderprogramme noch zusätzlich erhöhen, „weil schulischer und beruflicher Erfolg eng mit Sprachkompetenzen verbunden sind“.  Auch die soziale Herkunft, und das Umfeld sind von großer Bedeutung, darüber ist man sich ebenfalls einig. Am AMS differenziert man noch: „Gerade die Bildungsnähe oder Bildungsferne der Eltern entscheidet eben maßgeblich über die Bildungs- und Lernbereitschaft junger Menschen.“ „Oft geht es auch einfach darum, Jugendlichen, aber auch Eltern vorweg einfach Orientierung und Information über die Möglichkeiten zu bieten“, fügt Peter G. hinzu. „Viele wissen gar nicht, welche Möglichkeiten es gibt, wie das Schulsystem aussieht – und häufig muss man auch im Vorfeld erst einmal eine Menge unrealistischer Erwartungen korrigieren.“ Auch für Klaus Luger sind eindeutig „die Bildungschancen immer noch massiv von der sozialen Herkunft abhängig.“

Über Projekte, Programme, EU-Initiativen werden allseits nur sehr wenig Worte verloren – es geht vielmehr darum, was man anpacken kann, und was konkret Hilfe bringt. „Es geht einfach darum, zu sehen, wo in der konkreten Situation, im Einzelfall das Problem liegt, und wo Unterstützung nötig ist. Dann sucht man das passende Mittel heraus, um Abhilfe zu schaffen, und kann das Hindernis so fast immer aus dem Weg räumen“, bestätigt auch ein hinzugekommener Berater des Arbeitsmarktservice.  „Auch im Bezug auf den Arbeitsmarkt, ist es schwierig, genormte Patentlösungen zu finden – der Arbeitsmarkt ist von seiner Struktur und von den Schwerpunkten oft regional sehr unterschiedlich – und auch darauf muss immer Rücksicht genommen werden. Es ist besser, einfach zu tun, was nötig ist.“