Arbeitsmarkt

Chancen und Hürden für jüngere Menschen mit Migrationshintergrund auf dem Arbeitsmarkt

Der Arbeitsmarkt ist schwierig geworden – erst recht seit den Auswirkungen der Wirtschaftskrise. Gerade für junge Menschen mit Migrationshintergrund gilt es jedoch noch zusätzliche Hürden zu überwinden. Manche können mit Eigeninitiative, Beratung und Unterstützung genommen werden, andere wieder sind fast kaum zu bewältigen.

Von einer entspannten Lage am Arbeitsmarkt zu sprechen, wäre verkehrt. Die Auswirkungen der Wirtschaftskrise zeigen sich immer noch in unverminderter Härte, und gerade für junge Menschen bedeutet die Suche nach einem Arbeitsplatz oder einer Lehrstelle oft eine schwierige Herausforderung. Trotz aller flankierenden Maßnahmen gestaltet sich die Situation dabei für junge Menschen, die als Flüchtlinge in unser Land gekommen sind, durchwegs oft als noch sehr viel schwieriger. Theoretisch gilt bei gleicher Qualifikation auf dem Arbeitsmarkt auch Chancengleichheit – und bis auf Situationen, die von Ressentiments, Ängsten und Vorurteilen geprägt sind, stimmt das auch durchwegs in der Praxis. 

Das mit den Qualifikationen ist allerdings eine komplexe Sache – es geht bei Weitem nicht nur um berufliches Können. Sprachprobleme, kulturelle Anpassungsschwierigkeiten und schwierige Familiensituationen, und das familiäre und das Lebensumfeld sind ebenfalls Faktoren, die sich maßgeblich darauf auswirken, wie gut sich junge Menschen in Österreich zurechtfinden (können). Hier benötigt es oft schon sehr viel Geduld und Initiative, um diese Hürden zu bewältigen.

Viele junge Menschen, die aus Kulturen stammen, die durch große Familienverbände geprägt sind, bringen oft von Haus aus eine ganze Menge Soft Skills mit – wenn sie die Sprachbarriere erfolgreich überwinden, zeigen sie ein hohes Maß an Konfliktlösungsfähigkeit, Toleranz und zwischenmenschlichem Problemlösungsvermögen und eine hohe Loyalitätsbereitschaft.

Für diejenigen, die es geschafft haben, steht am Ende der Hürden das Finden der eigenen Identität, wie es gerade für junge Menschen wichtig ist. Die berufliche Situation prägt das maßgeblich. Es kann sich eine Lebensperspektive entwickeln, die einen an das Gastland bindet, und eine kulturelle Identifikation, die althergebrachte Traditionen mit denen des Gastlandes in Einklang hält. Solcherart stabilisiert das auch die Gesellschaft. Ein gutes Beispiel für diese hohe integrative Kultur und eine daraus resultierende offene und tolerante menschlich geprägte Gesellschaftsstruktur ist heute beispielsweise Kanada.

Gleichzeitig scheitern aber viele an den Hürden, die sich auftun, oder überwinden sie nie endgültig. Entweder sie verlieren sich selbst und ihre Wurzeln durch panische Überanpassung, oder sie klammern sich verbissen und stur an die Plätze an den Rändern des Arbeitsmarktes, von denen sie denken, sie seien ihnen eben zugewiesen. Die Fähigkeit und die Motivation, die Schwierigkeiten zu meistern, und seine eigene Identität zu finden, sind dabei auch zu hohen Teilen vom familiären Umfeld und der Prägung der Eltern abhängig.

Besonders schwierig gestaltet sich die Situation für jene Jugendlichen, die als „unbegleitete minderjährige Flüchtlinge“ nach Österreich kommen. Hier fehlt auch der so notwendige familiäre Rückhalt, der ein Gefühl der Sicherheit bieten könnte. Der Weg ist für diese Jugendlichen ist oft wirklich steinig, und es benötigt eine Menge an Engagement, Einfühlungsvermögen und Geduld, um ihnen auf diesem Weg beizustehen.

Die große Chance für junge Flüchtlinge in Österreich liegt im freien Zugang zu Bildung, der Sicherheit vor Verfolgung und der Chance, eine neue Lebensperspektive verwirklichen zu können – in einem demokratischen Umfeld, das die Rechte des Einzelnen respektiert und achtet. Für Österreich liegt die Chance in einem Zuwachs an motivierten jungen Menschen, die nach Bildung streben und durch ihre kulturelle „Vielsichtigkeit“ ein gutes und fähiges Auge für zwischenmenschliche und gesellschaftliche Belange mitbringen.

Es kommt beiden Seiten zu, die Hürden auszuräumen, und den Chancen einen Platz zu geben.