Berufswahl

Fußball wäre toll…

Eine Gruppe Jugendlicher sitzt auf den Bänken im Park. Skandiert lauthals „Ampel rot – Österreicher tot“. Alle brechen in schallendes Gelächter aus. Man trifft sich oft hier im Park, abends, an den Wochenenden. Hängt hier herum, mit den Freunden.

Letztens, erzählt Sami, saß da auch ein Mann mit einem Laptop. Hing am Hotspot vom Veranstaltungshaus gleich nebenan, um was runterzuladen. Hat ihnen gezeigt, wie man Zigaretten dreht. Und jedem eine gemacht. „Der war echt nett“, sagt Sami. „Ich hab erst gedacht, das sei auch ein Bosnier, wie wir. Aber der war Österreicher.“ „Hab noch nie einen Österreicher getroffen, der so nett war.“ schließt er. Eigentlich ist er ja noch ein bisschen zu jung, um zu rauchen, gerade mal vierzehn. „Aber manchmal bekommt man eine, oder irgendjemand von uns hat welche“, sagt Sami. „Und dann ist das schon okay“. Was er mal machen möchte? Sami zuckt die Schultern. Jetzt ist ja ohnehin erst mal Schule. Und danach – man wird sehen. Einen Job halt, Geld verdienen. Ordentlich Kohle machen. Und ein cooles Auto. Sich was leisten können.  „Fußball wäre toll“, meint er dann.  Ein paar andere nicken zustimmend. „Wir kicken oft hier – und wenn die sehen, dass ich gut bin, dann nehmen mich die schon. Dann hab ich’s geschafft.“  Die andern nicken wieder.  „Man muss halt was leisten“, sagt einer. Die Eltern von Sami arbeiten beide. „Mein Vater hat ‚nen Scheißjob“, sagt er und spuckt auf den Boden. „Der schuftet sich nur kaputt“.

Auch Mila kommt aus einer bosnischen Familie. Sie wohnt noch zuhause, mit vierundzwanzig, kümmert sich um ihre kleine Schwester, die ist 15. Das war schon immer ihre Aufgabe, weil ihre Eltern beide arbeiten. Ihr Freund ist Serbe, das gefiel den Eltern anfangs nicht. Die beiden möchten gemeinsam eine Wohnung suchen, ein Kind haben, eine Familie. Das wäre schön. Eine eigene Familie zu haben. Ihre Eltern kamen nach Österreich, als sie fünf war. Mila hat ein Jahr an einer Modeschule versucht,in einem anderen Bundesland, um von zu Hause wegzukommen, sagt sie. Aber die hat sie geschmissen. Und dann gejobbt, an der Tanke, in einem Wettbüro. „Man geht halt arbeiten, weil man Geld braucht“, sagt Mila. „Und hofft, dass man einen Job findet, wo man viel kriegt.“ Zu Hause spricht man nur Bosnisch, und es gibt oft Streit, mit den Eltern, der Schwester. „Aber das gehört dazu. Man muss halt miteinander auskommen.“ Ihren jetzigen Job hat sie von einem Bekannten ihrer Mutter empfohlen bekommen, der auch dort arbeitet. Das ging dann ziemlich rasch. Aufs Arbeitsamt wollte sie nicht, da hätte sie sich zu sehr geschämt – sie ist ja noch jung, sie kann ja leicht Arbeit finden.

Bei Sanja war das ganz anders. Sie hat studiert, bevor sie nach Österreich kam. Hat Deutsch gelernt, und nach einigen Jobs ist sie dann schnell bei der Integrationsarbeit gelandet, hat Landsleute betreut, Beratungen organisiert und Projekte mitgestaltet. Heute arbeitet sie als fest angestellte Bibliothekarin. Der Akzent, der immer noch ein bisschen zu bemerken ist, stört keinen – das ist fast so was wie ihr Markenzeichen. Das Thema Integration und Arbeitsplätze macht sie immer noch nachdenklich. „Es hängt einfach so vieles von dem Menschen selber ab, von dem was ihn geprägt hat, vom Umfeld und von der Familie“, sagt sie.